Ratgeber, Daten und Maßstab
Die wichtigste Nachricht vorweg: Österreich hat kein flächendeckendes LoD2. Es hat seit Mai 2023 ein flächendeckendes LoD1. Wer ein Ortsmodell oder Städtebaumodell plant, sollte das wissen, bevor er Daten sucht. Dieser Artikel sagt, welche Detailstufe was enthält, welche für welchen Maßstab reicht, und wo die Daten in Österreich, Deutschland und der Schweiz tatsächlich liegen. Mit Lizenz, Format und Kosten.
Das Massenmodell, auch Klötzchenmodell oder Baukörpermodell, zeigt Gebäude als reine Volumen. Keine Fassade, keine Fenster, kein Dachdetail. In der Sprache der CityGML-Norm ist das LoD1. Der Umsetzungsleitfaden der SIG3D beschreibt es so: die generalisierte Außenhülle wird durch genau einen prismatischen Extrusionskörper dargestellt. Boden und Dach horizontal, Wände vertikal. Sonst nichts.
Das klingt nach wenig und ist genau richtig. Bei einem Ortsmodell im Maßstab 1:500 trägt nicht das Fensterdetail die Aussage, sondern die Körnung: wie hoch, wie dicht, wie steht das Neue im Bestand. Genau dafür ist das Massenmodell gemacht. Wer mehr Detail will, sieht weiter unten, ab wann sich das überhaupt lohnt.
Die Werte stammen aus dem OGC CityGML 2.0 Encoding Standard, Tabelle 3. Die Spalte Genauigkeit meint die absolute 3D-Punktgenauigkeit in Lage und Höhe.
| Stufe | Typischer Maßstabsbereich | Dach | Genauigkeit | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| LoD0 | regional, Landschaft | ja (2D-Fußabdruck) | geringer als LoD1 | Grundrissebene, kein Volumen |
| LoD1 | Stadt, Region | flach | 5 / 5 m | Das Massenmodell. Objekte ab 6 x 6 m / 3 m |
| LoD2 | Stadt, Stadtteile, Projekte | differenzierte Dachformen | 2 / 2 m | Objekte ab 4 x 4 m / 2 m. Keine Fenster |
| LoD3 | Stadtteile, Architekturmodelle (außen) | reale Objektform | 0,5 / 0,5 m | Fenster und Türen als eigene Objekte |
| LoD4 | Innenraum-Modelle | reale Objektform | 0,2 / 0,2 m | In CityGML 3.0 gestrichen |
Ehrlichkeits-Fußnote, die selten jemand mitliefert
Die Norm selbst sagt über diese Genauigkeitswerte woertlich: „The accuracy requirements given in this standard are debatable and are to be considered as discussion proposals.“ Wer die Tabelle als hartes Gesetz verkauft, hat sie nicht gelesen. Sie ist ein Orientierungsrahmen, kein Prüfmaßstab.
Was LoD2 wirklich enthält
Getrennte Boden-, Wand- und Dachflächen, vereinfachte Dachformen, Anbauten ab etwa 0,5 m Tiefe (Balkone, Loggien). Gauben und Kamine sind laut Norm erlaubt. Das amtliche deutsche LoD2-DE enthält sie trotzdem nicht. Wer LoD2 bestellt, bekommt also oft weniger, als der Standard hergäbe. Fenster und Türen gibt es in keinem Fall, die kommen erst ab LoD3.
CityGML 3.0: LoD4 ist gestrichen
In CityGML 3.0 gibt es nur noch LoD0 bis LoD3. Innenräume lassen sich jetzt in jeder Stufe modellieren, damit war eine eigene Innenraum-Stufe überflüssig. Wer noch von LoD4 spricht, arbeitet mit der 2.0er-Systematik.
Das ist der Teil, an dem die meisten Projekte hängen bleiben. Hier die Quellen, die es wirklich gibt, mit Lizenz, Format und Kosten. Stand der Recherche: Juli 2026. Prüfen Sie die Lizenz vor der Nutzung immer selbst, die Bedingungen ändern sich.
Gebäude als Blockmodelle (LoD1), rund 2,6 Mio. Objekte, mit Bodenhöhe sowie mittlerer und maximaler Objekthöhe
flächendeckend Österreich
GeoPackage (GPKG), WMS
unentgeltlich
Digitales Geländemodell aus Airborne Laserscanning, 1 m Rasterweite. Höhengenauigkeit laut BEV grundsätzlich plus/minus 0,50 m
flächendeckend Österreich
GeoTIFF, COG
unentgeltlich, CC BY 4.0
LOD2.1 mit Dachformen, rund 200.000 Gebäude. Halbautomatisch abgeleitet, die Dachkanten sind nicht direkt gemessen
gesamtes Stadtgebiet Wien
CityGML, DXF-Dreiecksnetz
frei, CC BY 4.0
LOD2.4, rund 81.000 Gebäude. Ausdrücklich nicht flächendeckend, sondern projektbezogen erzeugt. Rauchfänge und Dachluken werden nicht modelliert
Teilgebiete
DXF, DWG, XML
kostenpflichtig (MA 41)
Gebäude und Gelände in LoD2, gekachelt nach Katasterblatt
Stadtgebiet Linz
CityGML
kostenlos, CC BY 4.0, auch kommerziell
LoD2-Dachmodell, automatisch aus photogrammetrisch ausgewerteten Dachlandschaften erzeugt
Stadtgebiet Graz
SHP, DWG, FBX
kostenpflichtig über den Geodaten-Shop
Österreichweites DGM und DOM mit 1 m als Dienst
alle 9 Bundesländer
WMTS
OGD Österreich, CC BY 4.0
DGM und DOM mit 50 cm, zusätzlich 1 m XYZ und Höhenlinien als DXF
Tirol
GeoTIFF, XYZ, DXF
kostenfrei (Punktwolken kostenpflichtig)
OpenStreetMap: Grundrisse ja, Höhen nein
OSM liefert unter der ODbL brauchbare Gebäudegrundrisse. Die Höhenattribute building:levels und height sind in der Fläche aber unvollständig. Ohne Höhe entsteht kein Massenmodell, sondern nur ein Umriss. Für Österreich ist das BEV-Paket die bessere Grundlage, weil dort Bodenhöhe sowie mittlere und maximale Objekthöhe mitgeliefert werden.
Wer aus Deutschland gewohnt ist, dass LoD2 einfach da ist, erlebt in Österreich eine Überraschung. Und wer in Deutschland beim Bund sucht statt beim Land, findet ausgerechnet dort kein Open Data.
flächendeckend (BEV DLM-Bauwerke, rund 2,6 Mio. Gebäude, gratis)
nur Stadtebene: Wien und Linz frei, Graz kostenpflichtig. Kein flächendeckendes LoD2
BEV ALS-DGM 1 m, CC BY 4.0, plus/minus 0,50 m
vorhanden
flächendeckend als LoD2-DE, rund 58 Mio. Gebäude. Achtung: die BKG-Version ist kein Open Data, sondern nur für Behörden. Die Bundesländer geben LoD2 aber sehr wohl offen ab (NRW unter dl-de/zero-2-0, Bayern unter CC BY 4.0 seit 01.01.2023)
landesweit über die Landesvermessung
vorhanden
swissBUILDINGS3D 3.0 Beta mit Dachformen und Dachüberständen, aber ohne Gauben. Genauigkeit plus/minus 30 bis 50 cm, damit deutlich besser als die CityGML-LoD2-Vorgabe von 2 m. Noch nicht landesweit in CityGML (19 Kantone plus Stadt Zürich)
swisstopo
Die Norm gibt in der Zeile „Model scale description“ eine grobe Richtung vor: LoD1 für Stadt und Region, LoD2 für Stadtteile und Projekte, LoD3 für Architekturmodelle. Die harte Begründung liefert aber erst die Rechnung.
Bei 1:500 entspricht 1 m Realität 2 mm im Modell. Ein 4 m großes Objekt, also die Untergrenze dessen, was LoD2 überhaupt enthält, ist im Modell 8 mm groß. Feinere Daten zu beschaffen bringt hier nichts, weil der Drucker sie ohnehin nicht ausgeben könnte.
Dachrinnen (0,5 mm) und Gehsteigkanten (0,6 mm) werden gerade darstellbar. Wer Fassadenstruktur will, muss aus den Geodaten raus und in CAD oder BIM rein.
Ab hier trägt die Fassade die Aussage. LoD2-Geodaten enthalten schlicht keine Fenster. Sie liefern die Umgebung, das Hauptobjekt kommt aus Ihrem Planungsmodell.
Der Punkt, an dem sich Daten und Physik treffen
Bei 1:500 enthalten LoD2-Daten ohnehin nichts, was feiner wäre als 4 m Objektgröße. Und der FDM-Druck kann alles unter etwa 40 cm real gar nicht als freistehende Wand ausgeben. Datenlimit und Drucklimit liegen bei diesem Maßstab auf demselben Niveau. Wer bessere Daten kauft, kauft Auflösung, die nie im Modell ankommt. Die vollständige Rechnung dazu steht im Ratgeber zur Datenaufbereitung. (Diese Schlussfolgerung ist unsere Ableitung aus den Einzelwerten, keine Aussage der Norm.)
Nicht abschließend verifiziert: ob die DLM-Bauwerke des BEV ausdrücklich unter CC BY 4.0 stehen (die Produktseite nennt keine explizite CC-Lizenz, für das ALS-Höhenraster ist CC BY 4.0 dagegen woertlich belegt). Für Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und die übrigen Bundesländer haben wir kein offenes LoD2 gefunden. Das ist kein Beweis, dass keines existiert.
Ein Massenmodell (auch Klötzchenmodell oder Baukörpermodell) zeigt Gebäude als reine Volumen ohne Fassadendetail. In der CityGML-Systematik entspricht das LoD1: die Außenhülle ist genau ein prismatischer Extrusionskörper mit flachem Dach. Keine Dachformen, keine Fenster, keine Anbauten. Für Städtebau, Umgebungsbebauung und Maßstäbe um 1:1000 bis 1:500 ist genau das die richtige Detailtiefe.
LoD1 ist der Block: flaches Dach, ein Volumen, sonst nichts. LoD2 hat vereinfachte Dachformen (Sattel-, Walm-, Pultdach), getrennte Boden-, Wand- und Dachflächen und darf Anbauten ab etwa 0,5 m Tiefe enthalten. Fenster und Türen gibt es erst ab LoD3. Für ein Ortsmodell im Maßstab 1:500 macht LoD2 den entscheidenden optischen Unterschied, weil die Dachlandschaft den Charakter eines Ortes trägt.
Nein. Österreich hat seit Mai 2023 ein flächendeckendes LoD1: die DLM-Bauwerke des BEV mit rund 2,6 Millionen Gebäuden als Blockmodelle, unentgeltlich als GeoPackage. LoD2 mit Dachformen gibt es nur auf Stadtebene: Wien und Linz stellen es frei bereit, Graz verkauft es über den Geodaten-Shop. Deutschland hat dagegen mit LoD2-DE rund 58 Millionen Gebäude flächendeckend.
Für ganz Österreich vom BEV: das ALS-Höhenraster (Digitales Geländemodell) mit 1 m Rasterweite als GeoTIFF, unentgeltlich, ausdrücklich unter CC BY 4.0. Die Höhengenauigkeit beträgt laut BEV grundsätzlich plus/minus 0,50 m. Einzelne Bundesländer liefern feiner: Tirol etwa mit 50 cm.
Für 1:1000 und 1:500 (Städtebau, Umgebung, Massenmodell) reichen LoD1 und LoD2. Ab etwa 1:200 wird Fassadendetail sichtbar, dafür braucht es LoD3 oder direkt Ihre CAD- und BIM-Daten. Der Grund ist rechnerisch: bei 1:500 sind selbst 4 m große Objekte im Modell nur 8 mm groß, und alles unter etwa 40 cm real lässt sich als freistehende Wand ohnehin nicht mehr drucken.
Für Grundrisse ja, unter der ODbL-Lizenz mit Namensnennung. Das Problem sind die Höhen: die Attribute building:levels und height sind in der Fläche unvollständig. Ohne Höhe entsteht kein Massenmodell, sondern nur ein Grundriss. Für Österreich ist das BEV-DLM-Bauwerke-Paket die bessere Grundlage, weil dort Bodenhöhe sowie mittlere und maximale Objekthöhe mitgeliefert werden.
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